Worum es geht
Adipositas ist eine chronische Erkrankung und erhöht das Risiko etwa für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Schlafapnoe. Adipositasoperationen gelten als wirksame Behandlung. Doch nur ein bis zwei Prozent der Menschen, für die eine Operation infrage käme, werden auch operiert, schreibt das Studienteam.
Hier setzen endoskopische Verfahren an. Endoskopisch heißt: durch den Mund, ohne Schnitt in die Bauchdecke. Die Magenwand wird von innen in Falten gelegt und fixiert. Der Magen wird kleiner, Gewebe wird nicht entfernt.
Ein Verfahren dieser Art ist POSE 2.0. Über eine Endoskopie-Plattform, einen Arbeitsschlauch mit Kamera und mehreren Kanälen, greifen Instrumente die Magenwand, legen sie zu einer Falte zusammen und sichern sie mit Nahtankern. Fachleute sprechen von Plikation. So entstehen rund 20 einzelne Falten im mittleren und unteren Magen; die Magenkuppel (Fundus) bleibt frei.
MEGA baut auf POSE 2.0 auf. Die Abkürzung steht für Endoscopic Gastric Mega-plication. Zwei Greifinstrumente fassen nacheinander die Hinterwand und die Vorderwand des Magens. Beide Falten werden dann gemeinsam gegriffen und mit einem einzigen Paar Nahtanker gesichert. So entsteht bei jedem Schritt eine Doppelfalte. Vorgesehen sind etwa sechs. Sie reichen von der Höhe des Magenwinkels im unteren Magen bis rund drei Zentimeter unterhalb des Mageneingangs. Das Ziel: den Magen schmaler und kürzer machen, mit weniger Nahtankern und Arbeitsschritten.

Wie die Studie aufgebaut war
Die Studie ist retrospektiv, also rückblickend: Das Studienteam hat vorhandene Behandlungsdaten ausgewertet. Beteiligt waren sechs in der endoskopischen Adipositastherapie erfahrene Zentren in Spanien, Italien (zwei Zentren), den Niederlanden, Österreich und Deutschland. Eine Ethikkommission hat die Auswertung genehmigt.
Aufgenommen wurden Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer Begleiterkrankung. Der BMI setzt das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Bei einem BMI ab 40 musste zuvor eine Operation angeboten und abgelehnt worden sein. Ausgeschlossen war, wer schon eine Adipositasoperation oder eine endoskopische Magenverkleinerung hatte oder Medikamente zum Abnehmen nahm oder genommen hatte. Auch während der Studie gab es keine begleitenden Medikamente zum Abnehmen.
Ausgewertet wurden nur Patientinnen und Patienten mit vollständigen Daten nach sechs Monaten, insgesamt 54: 9 aus Spanien, 9 aus Italien, 6 aus den Niederlanden, 12 aus Österreich und 18 aus Deutschland. Unter den 50 mit Angabe zum Geschlecht waren 45 Frauen.
Alle Eingriffe fanden in Vollnarkose und mit geplanter stationärer Aufnahme statt. Ein einziger erfahrener Ausbilder hatte die Ärztinnen und Ärzte der Zentren geschult, mit Workshops, Live-Eingriffen und mindestens vier Eingriffen unter Aufsicht. Alle arbeiteten nach einem gemeinsamen Protokoll.
Nach dem Eingriff folgten Ernährungsberatung mit schrittweisem Kostaufbau von flüssig bis fest und Empfehlungen zur Bewegung. Kontrolliert wurde nach 24 Stunden sowie nach einem, drei und sechs Monaten. Im Mittelpunkt stand der Gewichtsverlust nach sechs Monaten, bezogen auf das Ausgangsgewicht.
- Spanien9
- Italien9
- Niederlande6
- Österreich12
- Deutschland18

Was herauskam
Alle 54 Eingriffe wurden wie vorgesehen abgeschlossen. In den fünf Zentren mit Angaben dazu wurden im Mittel 6,4 Doppelfalten gesetzt; ein Eingriff dauerte dort im Mittel 31 Minuten.
Nach sechs Monaten hatten die Patientinnen und Patienten im Mittel 14,8 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren. Der mittlere BMI sank von 36,2 auf 30,9.
Mindestens zehn Prozent ihres Gewichts verloren 44 der 54, also 81,5 Prozent. Diese Schwelle gilt in der Studie als klinisch bedeutsam. Zehn Behandelte blieben darunter. Die Werte streuen: Manche verloren deutlich mehr, andere deutlich weniger.
Zwischen den Zentren unterschied sich der Gewichtsverlust nicht statistisch bedeutsam, laut Studienteam ein Hinweis auf eine einheitliche Umsetzung, zu der die gemeinsame Schulung beigetragen haben könnte. Die Zahl der Doppelfalten hing nicht messbar mit dem Gewichtsverlust zusammen.
Alle Behandelten wurden innerhalb von 24 Stunden entlassen. In den sechs Monaten dokumentierte die Studie keine schwerwiegenden Komplikationen wie Blutungen, eine Perforation (Durchbruch der Magenwand) oder einen Abszess (Eiteransammlung), keine erneuten Eingriffe und keine Wiederaufnahmen. Erwartbare leichtere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Magenkrämpfe wurden behandelt, ihr Ausmaß aber nicht systematisch erfasst.
Die Werte streuen: Manche verloren deutlich mehr, andere deutlich weniger.
Wie man die Ergebnisse einordnet
Das Studienteam selbst spricht von vorläufigen Ergebnissen und benennt klare Grenzen:
- Rückblickend. Die Daten stammen aus Behandlungsakten. Alter und Herkunft fehlen, Geschlecht und Begleiterkrankungen sind lückenhaft erfasst.
- Klein. 54 Behandelte, je Zentrum zwischen 4 und 18.
- Ohne Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse spiegeln laut Studie das Zusammenspiel von Eingriff und Ernährungsnachsorge. Einen direkten Vergleich mit anderen Verfahren erlauben sie nicht.
- Kurz. Ob das Gewicht auf Dauer gehalten wird, können sechs Monate nicht zeigen.
- Nicht einheitlich erhoben. Stoffwechselwerte, Lebensqualität und leichtere Beschwerden.
Die Werte liegen laut Studienteam im Bereich anderer etablierter endoskopischer Verfahren nach ähnlicher Zeit. Für belastbare Aussagen brauche es größere prospektive Studien mit längerer Nachbeobachtung. Prospektiv heißt: Patientinnen und Patienten werden von Beginn an nach festem Plan begleitet und einheitlich untersucht.
Die Studie zeigt, wie sich MEGA in sechs erfahrenen Zentren umsetzen ließ. Eine Aussage über den Einzelfall erlaubt sie nicht.



